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CD REGIONAL

Von einer Platte, die nie im Regal stand

Die Kaiserslauterer Folkformation „Lanyard" spielte vor fast zehn Jahren eine Aufnahme ein, die jedoch bislang unveröffentlicht blieb

Von unserem Mitarbeiter Andreas Keller

 

Die Welt ist voll ungewöhnlicher Dinge, und doch fügt sich meist eins zum andern und alles zusammen zu einem runden Ganzen. So wie in der Geschichte in diesem Artikel. Er handelt von einer Lauterer Band, die es nicht mehr gibt, und rezensiert eine CD, die es nie zu kaufen gab. Was das soll? Nun, der Reihe nach...

Es war einmal vor langer Zeit, so ziemlich genau im Jahre 1981, da wurde in unserer Stadt eine kleine, aber feine Folkband namens „Lanyard" gegründet. Das professionell agierende Amateur-Quartett um den Bandgründer, Sänger und fünffachen Multi-Instrumentalisten Udo Heiduck machte sich von den ersten Auftritten in der Scheune des Zink-Museums an alsbald einen soliden Namen, wenn es um traditionell gespielte, später dann modern interpretierte irische, schottische und bretonische Weisen ging.

14 Jahre lang gab es die Gruppe „Lanyard". Einen Tonträger produzierte die beliebte Band, von einer privaten Einspielung einmal abgesehen, in all diesen Jahren nicht - zum Leidwesen ihrer nicht wenigen Fans.

Nur diese eine Privat-Produktion mit elf Titeln zeugte vom Schaffen der Gruppe. Das Album wurde 1994 auf dem Dachboden des Wohnhauses von Udo Heiduck, wo sich Mischpult, Lautsprecher und Effektgeräte zu einem kleinen Studio vereinigten, zusammen mit Monika Heiduck (Akkordeon, Synthesizer), Brigitte Wiegand (Synthesizer) und Sascha Abel (Fiddle) auf Videoband - der Qualität wegen - aufgenommen und an gute Freunde verschenkt. Vielleicht 20 Exemplare gab es von dieser solide produzierten namenlosen Produktion, mehr nicht. In jeder Hinsicht eine Rarität also.

Allmählich in Vergessenheit

So weit, so wenig spektakulär. Ein Jahr nach der Produktion trennte sich „Lanyard" sogar. Band und Aufnahme gerieten allmählich in Vergessenheit. 1997 wurde das Werk zwar noch einmal mit Hilfe von Udo Heiducks Sohn Marius, der das Talent von seinem Vater geerbt hat (er studiert unter anderem Kunstgeschichte) komplett in den Computer überspielt und auf CD gebrannt. Aber das war's dann auch schon. „Lanyard" blieb allenfalls in den Köpfen von inzwischen reiferen Folk-Liebhabern und die noch immer namenlose CD in den Plattenschränken einiger weniger Auserwählter.

Wie gesagt, die Welt ist voll ungewöhnlicher Dinge, aber manchmal fügen sie sich, durch kaum nachvollziehbare Zufälle zum Beispiel, doch zu einem harmonischen Ganzen. So wie in diesem Fall... Es begab sich nämlich im Jahre 22 nach Gründung und acht Jahre nach dem Ende der Band „Lanyard", dass ein Zufall Band und Produktion plötzlich wieder in Erinnerung rief. Und zwar am 1. Juni dieses Jahres, einem Sonntag, frühmorgens um halb vier. Es war schon in der Endphase der „Langen Nacht der Kultur", als ein gewisser Marius Heiduck (genau: der Kunststudent und arrivierte Hobbymusiker) unter dem Motto „AufbauEnde" in der Lounge der Fruchthalle selbst komponierte modernistische Titel per Computer und Schaltpult zum Besten gab.

Irgendwann an diesem frühen Tag, während ich noch der Musik des jungen Heiduck zuhöre (den Namen brachte ich zu diesem Zeitpunkt nicht mit dem „Lanyard"-Gründer in Verbindung), tippte mir jemand auf die Schulter - es war der stolze Vater des jungen Musikers vor mir. Klar, dass wir uns über die alten „Lanyard"-Zeiten, die ich einst zum guten Teil mitverfolgen konnte, trotz der frühen Stunde angeregt unterhielten.

„Wart' mal einen Moment", kam es nach einer Weile. Udo Heiduck verschwand für eine Minute und kam mit einer unscheinbaren CD-Hülle zurück - darin die alte CD-Produktion von 1994, von der er zufälligerweise ein Exemplar dabei hatte. Ein Geschenk an mich, der ich die Musik der Band immer gemocht hatte und es wie so mancher andere bedauerte, keine bleibende klingende Erinnerung an „Lanyard" gehabt zu haben. Jetzt hatte ich sie.

„Progressive Celtic Rock"

Natürlich hörte ich mir die Scheibe bald danach an. Ganz klar, was man da mitbekam, das war die Gruppe „Lanyard", wie man sie kannte und mochte. „Progressive Celtic Rock" nannte die ursprünglich sehr traditionell eingestellte, später sich deutlich weiter entwickelnde Band diesen Stil zuletzt: mit Synthesizer-Klängen und Roland-Drum-Computer kräftig aufgebohrte Versionen von meist altehrwürdiger keltischer Folklore, Liebeslieder und Tänze in der Regel.

„Susi McGuire" ist zum Beispiel dabei (die ältere, tiefer unter die Haut gehende Version) und wirkt durch die unverkennbare, sonore Stimme Udo Heiducks; auch das kräftig modernisierte „Cam Ye O´er Frae France ?" ist zu hören und gegen Schluss der CD sogar die etwas gebremste „Pippi Langstrumpf"-Melodie. Nein, das ist nun kein Gag: was vermutlich viele für einen eigens komponierten Film-Titel halten, ist in Wahrheit ein altes schwedisches Volkslied. „Lanyard" hat es auf ihre Weise aufgenommen und sauber interpretiert.

Wie gesagt, die Platte hat es nie zu kaufen gegeben. Ein Jammer, wirklich. Aber ich habe ein Exemplar. Na schön. Und das, was darauf zu hören ist, kann rundum gefallen. Sollte man die Eindrücke dann nicht wenigstens mit jemanden teilen. Okay, das ist ja nun mit diesem Artikel geschehen. Und weiter? Was hat der an Musik interessierte Leser jetzt davon?

Zweierlei, denke ich. Zum einen sind angenehme Erinnerungen etwas, worauf man immer zurückgreifen sollte. Gerade im künstlerischen Bereich. In Zeiten, in denen, sagen wir es vorsichtig, auch weniger musikalisch Begabte über Nacht zu „Superstars" avancieren können, sollte man griffige Musik wie diese in der Erinnerung behalten. Erst recht, wenn es von „Lanyard" keine Bilder (mehr) gibt und die damals beteiligten Künstler mit live gespielter Musik längst nichts mehr zu tun haben. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine Zeit, als die Lauterer Musikszene stilistisch noch ein bisschen vielschichtiger war.

Tja, und was nun „zum anderen"? Was hat der diese Zeilen lesende Musikfan noch von eben jenen? Nun, vielleicht doch die Gelegenheit, an die beschriebene CD nach all den Jahren heran zu kommen. Udo Heiduck, heute Beamter bei der Stadtverwaltung, ist bereit (vielleicht gegen einen geringen Unkostenbeitrag für die CD-ROM) das empfehlenswerte Werk an interessierte Folk-Fans abzugeben.
[Quelle: Die Rheinpfalz, hab das Datum leider nicht]