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Im Gegensatz zu
den Selbstdarstellungen der letzten Jahre sollte es diesmal etwas
verwirrender und provokativer sein: "Supermarkt Musik" - bei einem Festival
mit vielen Künstlern; dann auch noch die Assoziation zur Hintergrunddudelei
der Supermärkte, und dies wiederum in falschem, aber modischem Neu Schreib.
Wichtig erschien es, die Musik
nicht in einer Bilderflut zu ertränken - schließlich sind die Lieder das
Wesentliche. Die Visualisierung soll die Musik und ihre Stimmung
unterstützen und Akzente setzen sowie Platz für Freiraum lassen. Kriterien
für die Bildauswahl waren neben assoziativen (z. B. das gequälte Ohr der
Hölle in Boschs "Garten der Lüste") vor allem ästhetische, so dass sich die
paradoxe Anmut einiger Passagen mit den Fraktalen ergänzt. Harten und
schnellen Parts wird mit recht beängstigenden Schnitten und Bilderstakkatos
entsprochen.
Programmatisch war geplant, die
mittelalterliche Mystik von Meister Eckhart, Heinrich Seuse und Hugo von St.
Viktor zu beleuchten und mit der Postmoderne zu kontrastieren. Dies auf
zweierlei Weise: zum einen sollte der Verlust der Herleitung
menschlicher Schöpferkraft aus der Schöpfung Gottes und der
Gottesebenbildlichkeit des Menschen in seinen Konsequenzen aufgezeigt
werden, zum anderen sollte die Entindividualisierung des Menschen unter dem
Banner gerade der Individualisierung beschrieben werden durch Kontrastierung
zur Personalisierung Gottes in der Mystik.
Es war praktisch unmöglich, diese
Planungen umzusetzen: zum einen sind die Mystiker nicht eben "leichte Kost"
und würden durch Verknappung oder bloße Zitation entstellt, zum anderen
hätten Satzungetüme (in Länge oder Tiefe) viel zu stark von der Musik
abgelenkt. Die Lösung war dann ein möglichst aussagekräftiges Zitat zu jedem
Liedbeginn, das sowohl auf den Titel des Programms als auch auf meine
Assoziationen zu den einzelnen Stücken bezogen war. |